Hannibal-Projekt

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Im August 2009 starte ich zu einer Überquerung der Alpen von Nord nach Süd, die mich zu Fuß von der Zentralschweiz bis ins Tessin und weiter nach Italien führen soll. Im Rucksack ist neben Kompass, Karte, Höhenmesser, Zelt, Schlafsack usw. auch ein aufblasbarer Plastikelefant.
Den Elefanten, als Kinderspielzeug und Werbeartikel von einem Schwimmflügelhersteller produziert, habe ich in einem Geschäft in Bremen gekauft . Der Elefant ist signalrot aufgeblasen ist er ca. 1,6 m lang und hoch, ca. 1,2 m breit. Den Werbeaufdruck auf dem Tier habe ich bei den Fotoaufnahmen für mein Projekt mit einem geblümten Tuch verdeckt. Diese (Sattel-)Decke machte den Elefanten darüberhinaus zum Reittier, zum Kriegselefanten. Diese Assoziation war mir wichtig, da es mir bei meiner Aktion u. a. darum ging, Gedanken an Hannibals Alpenüberquerung wachzurufen.

Mein Weg führt vom Vierwaldstättersee über etliche hohe Pässe, durch einsame Täler, aber auch vorbei an manch einer touristischen Attraktion z. B. dem Rohnegletscher, den Brissago-Inseln und der Doppelbogenbrücke von Lavertezzo im Versaca-Tal. Genauere Wegbeschreibung unter Der Weg des Elefanten
Wann immer sich die Gelegenheit bietet, halte ich auf meiner Wanderung inne, blase den Elefanten auf und fotografiere diesen in unterschiedlichen Arrangements an bzw. mit dem Ort. Etwa ein Drittel dieser „Placements“ haben sich spontan ergeben, die überwiegende Zahl der Fotostops an bestimmten Orten (Sehenswürdigkeiten) hatte ich jedoch im Voraus geplant, das heißt sie wurden bereits bei der Routenwahl und der Planung der Tagesetappen berücksichtigt. Was nicht ganz einfach ist, zieht man in Betracht, dass die Vorausplanung eines solchen Unternehmens schon ohne diesen zusäzlichen Aspekt von vielen Faktoren wie Möglichkeiten zur Übernachtung, Wasser- und Proviantversorgung, Wegbeschaffenheit, Können und Kondition abhängig ist und die Einhaltung eines solchen Plans noch von ganz anderen Faktoren wie z. B. Wetterbedingungen abhängig ist.

Als Leser/in dieses Blocks magst du dich fragen: Und wozu der ganze Aufwand, was soll das alles, was ist der Sinn? Nun muss ich gestehen, dass mir der Sinn dieser Aktion zu diesem Zeitpunkt selbst noch nicht ganz klar ist. Und wer weiß ob er mir die wahre Bedeutung meiner Handlungen jemals ganz bewusst werden wird. Aber so ist das manchmal im Leben und auch in der Kunst. Als Kunstprojekt ist diese Reise konzipiert. eigentlich müsste ich sagen die Reisen, denn es werden weitere Reisen folgen auf denen mich der Elefant auf meinem Weg begleitet. Diese Reise ist auch eine Urlaubsreise eine touristische Reise mit allem was für mich zu so einer gehört Naturschauspiel, kulturelle Sehenswürdigkeiten,  Erholung, Entspannung, Sportliche Aktivitäten, Abenteuer, Begegnungen mit anderen Menschen und Begegnungen mit mir, mit einem Ich, dass an einem anderen Ort in einer andern Welt manchmal auch ein anderes ist, Aber diese Reise  ist auch eine wissenschaftliche Untersuchung die sich zum Ziel gemacht hat, zu untersuchen wie sich die Wahrnehmung all dessen, wie sich der Blick auf die Landschaft die Menschen, wie sich das Erleben des eigenen Verhaltens und das der Anderen ändert, wenn ich einen Elefanten dabei habe, den ich von Zeit zu Zeit in die Landschaft stelle und fotografiere. Wobei ich gestehen muss, dass es mir in den Überlegungen zu dieser Reise zunächst nur um die Wirkung der Intervention (Elefant in der  Landschaft) in Betrachtung ihrer Fotografischen Wiedergabe ging.

Dass die Intervention als solche reale Auswirkungen auf die Situation, auf die anwesenden Menschen womöglich auch anderes am Ort Haben könnte war mir zu Beginn so nicht bewusst. Ebenso wenig konnte ich voraussehen, in welch tiefgreifender Weise mein eigenes Handeln, Denken und Empfinden sich verändern würde durch die schlichte Tatsache, dass ich ein aufblasbares Plastik Tier in Form eines Elefanten in meinem Rucksack herum trug, welches ich in Unregelmässigen Abständen aufbließ,  aufstellte und ablichtete. Doch dazu mehr an anderer Stelle. Hier nur ergänzend der Hinweis, dass es sich bei dieser  und hiermit meine ich die erste Reise mit dem Elefanten, auch um eine Reise im ganz banalen Sinn des Reisens geht nämlich einer Handlung oder einem Zusammen wirken von Handlungen von Menschen die dem Zweck dient Individuen von einem Ort zu einem Andern zu befördern. Denn diese Reise führt mich von Bremen nach Italien wo ich in dem Künstlerdorf Formine am Lago Magiore mit Kolleginnen ein Seminar geben soll.

Thema diese Seminars ist die kritische Auseinandersetzung mit menschlichen Naturvorstellungen unser Blick auf Natur, unser Bild von Natur als etwas, das sich lokalisieren, betrachten, beschreiben lässt, als etwas, dass wir, vermessen, erkennen, und darstellen können, Natur  als etwas, dass von uns Menschen benutzt, durch uns zerstört, oder geschützt werden kann. Der Gedanke, dass wir mit diesen unseren Vorstellungen von Natur womöglich ziemlich daneben liegen, dass all dies Zuschreibungen sind die wir in Gedanken und ohne dabei nachzudenken dabei machen, und die möglicher weise dem Ziel dienen hier von etwas Abzulenken. Diese Überlegungen die unterschiedliche Wissenschaftler/innen u. a. Donna Harraway anstellen sollen für uns Anlass sein in theoretischen und praktischen Übungen unter Einsatz wissenschaftlicher und künstlerischer Methoden zu einer Dekonstruktion  von Naturbildern einer Verschiebung von Grenzziehungen und einer veränderten möglicherweise erweiterten Wahrnehmung von Natur zu kommen.

 

 

 

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